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DTF Maritime News · LeitfadenAktualisiert am 5. November 2026

Landstrom für Schiffe: so funktioniert die Versorgung in deutschen Häfen

Landstrom versorgt Seeschiffe am Liegeplatz mit Strom aus dem Netz, damit die Hilfsdiesel an Bord abgeschaltet werden können. In Deutschland zahlen Landstromanlagen nur 0,50 Euro Stromsteuer je Megawattstunde statt 20,50 Euro, und ab 2030 wird der Anschluss für Containerschiffe und Passagierschiffe in großen europäischen Häfen Pflicht.

Bundesförderung für Landstromanlagen
176 Millionen Euro im Bundeshaushalt 2020 für ortsfeste Landstromanlagen in Seehäfen und Binnenhäfen, Laufzeit 2020 bis 2023, Grundlage Artikel 104b Grundgesetz
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Ermäßigte Stromsteuer
0,50 Euro je MWh statt 20,50 Euro; Verlängerung für 2026 bis 2029 von der Europäischen Kommission am 22. Mai 2026 vorgeschlagen; private Sportboote ausgenommen
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Begrenzte Umlagen nach EnFG
Landstromanlagen, die ausschließlich Seeschiffe beliefern und mehr als 100 MWh im Jahr abgeben, zahlen nur 20 Prozent der Umlagen (§ 39 EnFG)
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Erste große Kreuzfahrtanlage
Hamburg Altona: bis 12 MVA bei 11 kV, erste vollständige Versorgung der AIDAsol am 3. Oktober 2016
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Europäische Pflicht für Häfen (AFIR)
Bis 31. Dezember 2029 Landstrom für mindestens 90 Prozent der Anläufe von Containerschiffen und Passagierschiffen über 5.000 BRZ in Häfen des TEN-T oberhalb der Schwellenwerte
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Was ist Landstrom für Schiffe?

Was ist Landstrom für Schiffe?

Landstrom ist die Stromversorgung eines festgemachten Seeschiffs aus dem Netz an Land. Während der Liegezeit schaltet das Schiff seine dieselbetriebenen Hilfsgeneratoren ab und bezieht den Strom für Beleuchtung, Klimatisierung, Kombüse, Pumpen und Ladegeschirr über ein Kabel von der Kaje.

International heißt das Verfahren Onshore Power Supply (OPS), Shore Side Electricity oder Cold Ironing. Die technische Einrichtung im Hafen heißt Landstromanlage.

Diese Seite behandelt ausschließlich die gewerbliche Seeschifffahrt: Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Containerschiffe und Autotransporter. Die Landstromsäulen in Sportboothäfen und auf Campingplätzen für Yachten, Wohnmobile und Wohnwagen arbeiten mit Haushaltsspannung und haben mit dieser Infrastruktur technisch und rechtlich wenig gemeinsam.

So funktioniert eine Landstromanlage

So funktioniert eine Landstromanlage

Eine Landstromanlage für Seeschiffe besteht aus drei Teilen. Am Anfang steht der Netzanschluss, oft mit einem eigenen Umspannwerk, denn ein Kreuzfahrtschiff oder ein großes Containerschiff braucht am Liegeplatz mehrere Megawatt.

Darauf folgt die Umformung. Das deutsche Netz arbeitet mit 50 Hertz, viele Schiffe jedoch mit 60 Hertz, deshalb gehören Frequenzumrichter und Transformatoren zum Kern jeder Anlage. Die Anlage in Hamburg Altona liefert zum Beispiel bis zu 12 MVA bei 11 kV und alternativ 6,6 kV, wahlweise mit 50 oder 60 Hertz.

Den letzten Abschnitt bildet das Kabelmanagement, das die Hochspannungskabel fest an der Kaje oder mobil bis zur Anschlussstelle des Schiffs führt. Das Schiff braucht dafür eine eigene Landstromausrüstung an Bord, und erst nach einer erfolgreichen Prüfung darf es regelmäßig versorgt werden.

Normen: IEC/IEEE 80005

Normen: IEC/IEEE 80005

Damit Schiff und Kaje weltweit zusammenpassen, gilt die Normenreihe IEC/IEEE 80005. Teil 1 regelt Hochspannungsanschlüsse mit 6,6 kV oder 11 kV, wie sie Kreuzfahrtschiffe, Fähren und große Containerschiffe nutzen.

Teil 3 beschreibt Niederspannungsanschlüsse für Schiffe mit geringerem Bedarf. Teil 2 legt die Verbindung für Daten und Signale zwischen Land und Schiff fest, die das sichere Zuschalten, Synchronisieren und Trennen steuert.

Für Reeder ist die Normkonformität die Voraussetzung, um mit derselben Bordausrüstung Häfen in mehreren Ländern anzulaufen. Für Hafenbetreiber verkürzt sie die Abnahme beim ersten Anschluss eines neuen Schiffs.

Förderung, Stromsteuer und Umlagen

Förderung, Stromsteuer und Umlagen

Der Bund hat im Haushalt 2020 insgesamt 176 Millionen Euro für ortsfeste Landstromanlagen in Seehäfen und Binnenhäfen bereitgestellt. Das Geld floss nach Artikel 104b Grundgesetz über eine Verwaltungsvereinbarung an die Länder, die Laufzeit war für 2020 bis 2023 angelegt.

In Bremen deckt die Bundeskofinanzierung rund 22,3 Millionen Euro der Landstromprojekte ab, nach Angaben des Senats läuft das aktuelle Programm am 31. Dezember 2025 aus. Mehrere Länder fördern zusätzlich eigene Projekte, Schleswig-Holstein zum Beispiel Anlagen in gewerblichen Häfen.

Beim Strompreis gilt eine ermäßigte Stromsteuer von 0,50 Euro je Megawattstunde statt des Regelsatzes von 20,50 Euro. Die Genehmigung der EU dafür lief Ende 2025 aus, und die Kommission hat am 22. Mai 2026 eine Verlängerung für 2026 bis 2029 vorgeschlagen, private Sportboote bleiben ausgenommen.

Hinzu kommt das Energiefinanzierungsgesetz. Nach § 39 EnFG zahlt eine Landstromanlage nur 20 Prozent der Umlagen, wenn sie ausschließlich Seeschiffe beliefert und im Vorjahr mehr als 100 Megawattstunden an Seeschiffe abgegeben hat. Die frühere Umlage nach dem EEG spielt keine Rolle mehr, weil sie seit Juli 2022 auf null gesetzt ist.

Landstrom in deutschen Häfen: der Stand

Landstrom in deutschen Häfen: der Stand

Kreuzfahrt und Fährverkehr sind in Deutschland am weitesten. Bei Containerschiffen steht der Ausbau erst am Anfang, und viele Schiffe müssen ihre Bordausrüstung noch zertifizieren lassen.

HafenVerkehrStand
Hamburg AltonaKreuzfahrtIn Betrieb seit 2016, bis 12 MVA bei 11 kV
Hamburg SteinwerderKreuzfahrtIn Betrieb; 2024 nutzten 129 Anläufe in Hamburg Landstrom, rund 48 Prozent
Hamburg Eurogate und TollerortContainerIn Betrieb seit 2024; Burchardkai und Altenwerder folgen
Kiel NorwegenkaiFähreIn Betrieb seit 9. Mai 2019 für die Color Line
KielKreuzfahrtRund 70 Prozent der Kreuzfahrtschiffe 2024 am Landstrom
Rostock, WarnemündeKreuzfahrtIn Betrieb; seit April 2023 Versorgung von zwei Schiffen gleichzeitig, 2024 rund 53 Prozent der Anläufe
LübeckFähreErste Anlage seit Ende 2024, drei weitere bis 2027 geplant
BremerhavenContainer, Autotransporter, KreuzfahrtContainerkaje im Bau, Kreuzfahrtterminal für Ende 2026 geplant; Gesamtkosten rund 51,4 Millionen Euro
WilhelmshavenContainerAnlage für 2028 und 2029 geplant

In Hamburg haben sich Reedereien wie Maersk, MSC und CMA CGM zur Nutzung verpflichtet. Seit 2025 erhalten Containerschiffe mit Landstrom dort einen Nachlass auf das Hafengeld.

Europäische Pflicht ab 2030: AFIR und FuelEU Maritime

Europäische Pflicht ab 2030: AFIR und FuelEU Maritime

Die Verordnung (EU) 2023/1804, kurz AFIR, verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis zum 31. Dezember 2029 Landstrom in Seehäfen des transeuropäischen Verkehrsnetzes TEN-T bereitzustellen. Die Pflicht greift ab durchschnittlich mehr als 100 Anläufen von Containerschiffen, 40 Anläufen von Passagierfähren mit Fahrzeugdeck (RoPax) und Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen oder 25 Anläufen anderer Passagierschiffe pro Jahr, jeweils über 5.000 BRZ.

In diesen Häfen müssen mindestens 90 Prozent der Anläufe versorgt werden können. Für Bremerhaven schätzt bremenports daraus einen Bedarf von zehn weiteren Containeranlagen und zwei Kreuzfahrtanlagen bis Ende 2029.

Die Verordnung (EU) 2023/1805, FuelEU Maritime, richtet die Pflicht an die Schiffe. Ab dem 1. Januar 2030 müssen Containerschiffe und Passagierschiffe über 5.000 BRZ in den großen Häfen der EU bei Liegezeiten über zwei Stunden Landstrom nutzen, ab 2035 in allen Häfen mit Anlage. Ausnahmen gelten unter anderem für gleichwertige emissionsfreie Technik an Bord und für Notfälle.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist eine Landstromanlage?+

Eine Landstromanlage versorgt ein festgemachtes Seeschiff über Hochspannungskabel mit Strom aus dem Netz. Das Schiff kann dadurch seine Hilfsdiesel während der Liegezeit abschalten.

Geht es hier um Landstrom für Wohnmobile oder Yachten?+

Nein. Diese Seite behandelt Landstrom für gewerbliche Seeschiffe wie Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Containerschiffe, die mehrere Megawatt in Hochspannung beziehen. Private Sportboote sind auch von der ermäßigten Stromsteuer ausgenommen.

Wie hoch ist die Stromsteuer auf Landstrom?+

Für Landstrom an Schiffe gilt ein ermäßigter Satz von 0,50 Euro je Megawattstunde statt 20,50 Euro. Die Europäische Kommission hat am 22. Mai 2026 vorgeschlagen, diese Ermäßigung für 2026 bis 2029 zu verlängern.

Wird Landstrom in Deutschland gefördert?+

Ja. Der Bund hat ab 2020 insgesamt 176 Millionen Euro über die Länder für Landstromanlagen in Seehäfen und Binnenhäfen bereitgestellt, einzelne Länder ergänzen eigene Programme.

Welche deutschen Häfen bieten Landstrom für Kreuzfahrtschiffe?+

Hamburg mit den Terminals Altona und Steinwerder, Kiel und Warnemünde in Rostock versorgen Kreuzfahrtschiffe bereits mit Landstrom. Bremerhaven plant die Anlage am Kreuzfahrtterminal für Ende 2026.

Ab wann ist Landstrom Pflicht?+

Ab dem 1. Januar 2030 müssen Containerschiffe und Passagierschiffe über 5.000 BRZ in großen Häfen der EU am Liegeplatz Landstrom nutzen. Die Häfen müssen die Anlagen bis zum 31. Dezember 2029 bereitstellen.

Welche Norm gilt für den Landstromanschluss?+

Die Normenreihe IEC/IEEE 80005, Teil 1 für Hochspannung, Teil 2 für die Kommunikation und Teil 3 für Niederspannung.

Weitere Leitfäden
Quellen
  1. Rheinland-Pfalz Ministerrat: Verwaltungsvereinbarung Förderung von Landstromanlagen in See- und Binnenhäfen (22.09.2020)
  2. Rat der EU, Dok. 9725/26: Vorschlag zur Verlängerung der ermäßigten Stromsteuer für Landstrom in Deutschland
  3. § 39 Energiefinanzierungsgesetz (EnFG): Landstromanlagen
  4. HPA: Abschlussbericht Landstromanlage Altona
  5. Senat der Freien Hansestadt Bremen: Landstrom Schifffahrt (11.11.2025)
  6. Bremenports: Planung 2026
  7. Landstromanlage am Norwegenkai eingeweiht (Kiel, 9.5.2019)
  8. Rostock Port: Saisonstart Kreuzschifffahrt 2023
  9. Landstrom in den Nordhäfen, Stand Januar 2025
  10. Landstrom für Containerschiffe in Hamburg, Stand Dezember 2024
  11. Verordnung (EU) 2023/1804 (AFIR), Artikel 9
  12. Europäisches Parlament: Einigung zu FuelEU Maritime

Die Angaben sind an den Rechtstexten und den aufgeführten amtlichen Quellen geprüft. Etwas veraltet? Schreiben Sie an media@dtfconference.com.

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